Zu Gast bei: Anna und Jan in Bochum

26. März 2016
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 Es gibt Menschen, die lernt man kennen und mag sie. So ging es mir gleich vom ersten Tag an, als ich Anna und Jan kennen lernte. Im Rahmen meiner Selbständigkeit war ich bei Ihnen zu einem Vorgespräch und fand sie von Anfang an sehr sympathisch. Auch ihre Wohnung gefiel mir sehr gut, sie war eine tolle Mischung aus Altbau, modernen Elementen und Vintage Möbeln. Also genau mein Geschmack (am eigenen Altbau muss ich noch arbeiten). Mittlerweile darf ich beide schon seid mehreren Jahren zu meinen Stammkunden zählen und ihre kleine Familie hat sich vergrößert: sie haben eine süße kleine Tochter bekommen. Und umgezogen sind sie auch. In der neuen Wohnung wohnen sie nun auch schon ein Weilchen und sind glaube ich angekommen. Sie haben mir ein paar Fragen zu ihrer Wohnung und ihrem Wohnstil beantwortet. Kommt also mit zu einem kleinen Ausflug zu Anna, Jan und ihrer Tochter!


Wo und wie lebt Ihr?


Jan: Wir leben seit gut einem Jahr in einer 130 Quadratmeter großen Wohnung in der Bochumer Innenstadt. Das Haus ist aus dem Jahre 1906 und hat den 2. Weltkrieg schadlos überstanden, was ja eher eine Seltenheit mitten im Ruhrgebiet ist. Da es aber auch kein „luxussanierter“ Altbau ist, ist es eine Mischung aus schönen alten Elementen, wie beispielsweise der Jugendstilfassade, wunderbarem Stäbchenparkett und so hohen Räumen, dass sie auf 3,60 Meter abgehängt wurden. Und auf der anderen Seite gibt es billige Türen aus dem Baumarkt und einen unansehnlichen Rauputz im Flur.  Auch die Fenster und Fensterbänke wurden Do it Yourself von unserem sehr netten Vermieter angebracht. Irgendwer hat einen Teil der Fenster dann einmal mit Stahlwolle putzen wollen. 
 
Anna: Was mir gefällt: Die Wohnung selbst hat einige angenehme, manchmal skurrile Besonderheiten: So haben wir den Luxus einer Bibliothek, ein Zimmer was man eigentlich, wenn man schon ein Wohnzimmer und ein Esszimmer hat, nicht braucht, in der unsere tausende von Büchern sich aber sehr wohl fühlen. Ein weiteres Highlight sind die beiden französischen Balkone, die wir zu Minigärten umfunktioniert haben. Die Wohnung ist dadurch geprägt, dass Wohn-, Ess- und Kinderzimmer sehr große Fenster haben, die nach vorne raus sind, hier tobt das Leben. Die Zimmer nach hinten, Bibliothek und Schlafzimmer hingegen sind sehr ruhig und ein schöner Rückzugsort. Skurril ist das Bad, von dort aus gelangt man auf unseren Minibalkon. Skurril ist auch die Küche: Man schaut von dort aus direkt in die Küche der Nachbarn, ebenfalls eine junge Familie und jedes Mal wenn wir uns sehen, winken wir uns zu.
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 Bitte beschreibt Euren Wohnstil


Jan: Ach, einen richtigen Wohnstil haben wir nicht. Ich mag vieles was die Bauhaus-Gründer designt haben, ich würde aber nicht in einem Bauhausgebäude wohnen wollen. Ich mag aber auch den mediterranen Lebensstil und beide finden wir beispielsweise viele der alten Fincas auf Mallorca als sehr schöne Orte zum Leben. Und Holz, am besten geölt, ist immer wichtig. Der Stil ist also irgendwo zwischen klaren Linien und Strukturen und verspielten Elementen.
Das ist es aber sozusagen, was wir im Hinterkopf haben, wenn wir etwas für die Wohnung kaufen. Die schwierige Frage, die wir dann vor jedem Kauf beantworten müssen, ist: „Passt das in die Wohnung?“. Diese Frage wäre einfach zu beantworten, wenn man einen durchgängigen Stil hätte aber den haben wir nun mal – leider oder zum Glück – nicht und so ist es manchmal ein wenig mühselig, sich zu überlegen ob etwas wirklich passt. – Und: Manchmal geht es auch schief und dann steht etwas in der Wohnung und es passt einfach nicht. Das war auch nach dem Umzug vor einem Jahr der Fall: Noch heute stellen wir ab und zu Möbel um, weil sie zwar in der alten Wohnung passten, in der neuen wollen sie aber partout nicht ihren Ort finden, obwohl wir inzwischen 50 Quadratmeter mehr haben.

Habt Ihr einen Lieblingsraum oder ein Lieblingsmöbelstück? Und wenn ja, warum?

Jan: Mein Lieblingsraum ist die Bibliothek, die auch das Arbeitszimmer ist. Hier ist es ruhig und die vielen Bücher und der warme Parkettboden schaffen eine angenehme Atmosphäre. Manchmal muss ich abends sehr lange am Schreibtisch sitzen, das fällt mir hier nicht schwer, in meinen bisherigen Wohnungen konnte ich kaum zu Hause arbeiten. Ein Lieblingsmöbelstück habe ich nicht direkt.
Anna: Eines meiner Lieblingsmöbelstücke ist das Vertiko aus der Gründerzeit im Flur, es hätte dort auch genauso vor 100 Jahren stehen können. Und ich mag unser neues Sideboard sehr, es ist sehr klar und geradlinig und strahlt trotzdem Gemütlichkeit aus.
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Wo findet Ihr eure Möbel?

Jan: Überall, teilweise sogar bei Ikea ;-). Einer der letzten Käufe war beispielsweise die Sitzgruppe in der Bibliothek. Die haben wir über Ebay-Kleinanzeigen ergattert und es sind alte mid century Flötotto-Sessel aus deren Container Programm. Dieses Programm gibt es heute noch, nur die Sessel werden schon lange nicht mehr produziert. Diese Sessel standen übrigens ursprünglich im Dortmunder Sozialamt als Wartesessel. Darauf haben also schon hunderte von Menschen gesessen und gehofft, dass sie einen neuen Wintermantel genehmigt bekommen oder haben ein paar Jahre später über die Hartz-IV-Gesetzgebung geflucht. Unsere Cocktailsessel sind hingegen aus einem Rockabilly-Laden im Sauerland. Weiterhin sind manche Möbel von meinen Eltern, wie einige Stühle und eine Kommode. 
Anna: Wie man an meinem Lieblingsmöbelstück sieht, habe ich ein Faible für Weichholzmöbel. Da haben wir einen tollen Antikladen in Witten gefunden und festgestellt, dass Weichholzmöbel gar nicht teuer sein müssen aber schwer zu finden sind. Für manche Möbel haben wir aber auch richtig gespart und dann zumeist in einem kleinen Möbelhaus hier in der Nachbarschaft gekauft. Zum Beispiel unser neues Sideboard oder auch alle Tische und Lampen die wir haben. Wir blättern auch oft durch Wohnkataloge zum Beispiel von habitat oder Zeitschriften wie der couch und schauen wie ein Zimmer am Ende aussehen könnte.

Was inspiriert Euch?

Anna: Wir sind schon oft auf Flohmärkten oder wenn wir in anderen Städten sind, gehen wir gerne mal in uns unbekannte Läden. Auch wenn wir in anderen Ländern – zumeist am Mittelmeer oder aber auch beispielsweise in Südtirol – sind, sehen wir das eine oder andere, was wir toll finden. Wir lieben es außerdem, wenn wir im Herbst oder Winter durch die Straße gehen und Wohnungen gemütlich beleuchtet sind. Dann wagen wir einen ganz kurzen Blick in die Wohnungen. Oft sprechen wir danach darüber, was wir dort gesehen haben und ob wir das, was wir gesehen haben, schön fanden. Das sind dann oft Gespräche zwischen uns, wo wir am Ende sagen „Oh ja, da können wir auch mal nach gucken.“
Die wichtigste Inspirationsquelle sind aber Zeit und die Devise „keine Kompromisse“. Man muss warten können, bis man etwas entdeckt, was einem wirklich gefällt.
Außerdem lassen wir uns ein wenig treiben: Immer wenn wir einen Raum vorläufig „fertig“ haben, fällt uns die nächste Baustelle in der Wohnung auf. So ist noch kein Raum in der Wohnung richtig fertig, es fehlt überall vor allem noch eine wärmere Beleuchtung (indirektes Licht) und praktische Möbelstücke fehlen auch noch, wie eine Garderobe oder ein Zeitschriftenständer, aber da warten wir, bis wir was tolles finden. 
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Würdet ihr heut etwas anders machen?

Jan: Anna würde den Teppich aus der Bibliothek entfernen und ich das „das Monstrum“ – so nenne ich ein Was-auch-immer-Möbelstück, dass im Flur sein Dasein ohne weitere Bestimmung fristet – aber das sind die Kompromisse einer Ehe ;-). Auch die Cocktailsessel sind ein Übergang, bis wir etwas richtig Passendes haben. Außerdem passt seltsamerweise unser sehr bequemer Relax-Sessel nirgendwo so richtig hin, obwohl er in der alten Wohnung ein echtes Schmuckstück war. Wir würden natürlich bessere Türen einsetzen und hätten auch nicht den Rauputz in den Flur und die Raufaser an die Wände gemacht – aber Glattputz in allen Räumen können wir uns nicht leisten und es wären auch einezu hohe Investitionen in eine Wohnung, die ja nur gemietet ist.

Was fehlt noch?

Anna: Wie erwähnt ist gerade der Flur eine Baustelle: Wir haben keine Garderobe, die Möbel passen nicht recht zusammen, es ist dort einfach etwas ungemütlich. Trotzdem versammelt sich, immer wenn wir Besuch haben, dieser irgendwann auf dem Flur, da müssen wir also etwas ändern. Ich würde auch gerne den an sich sehr schönen Erker im Esszimmer noch verschönern, den finde ich etwas kühl. Dann fehlen an vielen Stellen noch schöne Lampen und angenehmes Licht, da gucken wir im Moment auch häufiger nach, zumal es jetzt im beginnenden Herbst auch wieder früher dunkel wird und man es so irgendwie gemütlicher haben will.
Jan: Ach ja und ganz wichtig ;-) Ich bin aufgewachsen in einem sehr kleinen Dorf mit unendlich viel Grün um mich herum und habe das geliebt. Jetzt haben wir einen zwei Quadratmeter-Balkon, da fehlt mir natürlich was – aber das wird man nicht ändern können.
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Vielen Dank, dass ich bei Euch zu Gast sein durfte!
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